Mittwoch, November 22, 2006

Neue künstlerische Leitungen für Schauspielhaus und dietheater


Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny präsentierte am Mittwoch Andreas Beck als neuen künstlerischen Leiter des Wiener Schauspielhauses und Haiko Pfost & Thomas Frank als kommendes Leitungsduo von dietheater. Sie übernehmen die Häuser jeweils mit der Saison 2007/2008, die Verträge sind auf vier Jahre ausgelegt. Für dietheater wird, so Mailath, die Subvention der Stadt Wien auf 1,5 Millionen Euro aufgestockt, um die Weiterentwicklung, auch unter Einbeziehung neuer Spielorte, darunter das Kabelwerk Meidling, gewährleisten zu können. Die Neubesetzungen, die nach einer Ausschreibung und der Empfehlung einer eigens eingesetzten Jury von Mailath-Pokorny in Abstimmung mit den KultursprecherInnen der SPÖ, Ernst Woller und der Grünen, Marie Ringler getroffen wurden, führen den Bogen der Wiener Theaterreform weiter, die vor drei Jahren gestartet wurde, so Mailath-Pokorny. Für das Schauspielhaus lagen 66, für dietheater 22 Bewerbungen vor. Die Kultursprecherin der Grünen, Marie Ringler und der SPÖ-Kultursprecher Ernst Woller unterstrichen ebenfalls die positive Sicht der Neubestellungen für die beiden Theater als wichtigen Schritt im Rahmen der Theaterreform und als gute Zukunftsperspektive für die Wiener Theaterszene.



v.li.n.re.: Thomas Frank (neue Leitung dietheater), StR. Dr. Andreas Mailath-Pokorny, Haiko Pfost (neue Leitung dietheater), Andreas Beck (neuer Leiter Schauspielhaus), Marie Ringler (Kultursprecherin der Grünen) und Ernst Woller (SPÖ-Kultursprecher)

Klare Profile für beide Häuser


Mailath-Pokorny verwies auf die Erfolge der von der SPÖ und den Grünen gemeinsam getragenen Theaterreform, die nun mit den neuen Leitungen für zwei wichtige Wiener Theater weiter geführt werden sollen. Es gebe aufgrund der vorgelegten Konzeptionen der neuen Leitungen klare Vorstellungen über die Profile der Theater. Das Schauspielhaus werde als Autorentheater der Gegenwartsdramatik verpflichtet sein, dietheater interdisziplinären Spielformen und Koproduktionsmodellen Raum geben. Für die Wiener Theaterszene sei eine weitere Belebung zu erwarten. Mailath dankte auch den beiden bisherigen leitenden Persönlichkeiten der beiden Theater, Airan Berg und Christian Pronay für die von ihnen geleistete sehr gute Arbeit.

Andreas Beck: Schneise für österreichische Gegenwartsdramatik


Eine "Schneise für die österreichische Gegenwartsdramatik", aber auch für internationale Theatermacher will Andreas Beck im Schauspielhaus schlagen. Beck, 1965 in Mühlheim/Ruhr geboren, nach Stationen u. a. in München, Stuttgart und Hamburg seit 2002/03 Dramaturg am Burgtheater mit dem Schwerpunkt Gegenwartsdramatik und Autorenentwicklung und für den Spielort Kasino verantwortlich, will im Schauspielhaus seinen Schwerpunkt in der Zusammenarbeit mit Autoren setzen und Texte gemeinsam mit ihnen am Theater weiter entwickeln. Die bisherigen Traditionen und Qualifikationen des Hauses sollen dabei durchaus berücksichtigt werden, mit dem Aufbau eines kleinen Ensembles will er die notwendigen Bedingungen für seine Vorstellungen eines Theaters der Zeitgenossen, der Gegenwartsdramatik und der neuesten Ästhetik und Spielweisen schaffen.


dietheater als internationales Produktionszentrum für interndisziplinäre Darstellende Kunst


Als internationales Produktionszentrum für interdisziplinäre Darstellende Kunst wollen die zuletzt in Berlin tätigen Theatermacher Haiko Pfost und Thomas Frank dietheater positionieren. Sie streben eine europäische Verknüpfung mit dynamischen Produktionsnetzwerken an, die flexibel auf die Erfordernisse zeitgenössischer Darstellender Kunst in einem weit gesteckten Rahmen reagieren können. Die um das Kabelwerk und wahrscheinlich auch um das Theater des Augenblicks erweiterten Spielstätten sollen sowohl als Produktionsorte zur Verfügung stehen wie auch in Koproduktionen Theater über den klassischen Textdiskurs hinaus anbieten. Die urbanen und sozialen Bedingungen Wiens, die Auseinandersetzung zwischen den Künstlern und dem Publikum und die Diskurse im internationalen Theater sind einige der geplanten Programmkoordinaten für dietheater. Haiko Pfost und Thomas Frank sind beide 1972 geboren und haben bereits vielfältige Tätigkeiten im Theaterbereich absolviert, wobei die Entwicklung neuer Formen und Szenen im Vordergrund stand. Pfost kuratierte u. a. die Zwischennutzung des Palasts der Republik in Berlin, Frank ist derzeit Kurator und Dramaturg der Berliner Sophiensäle.


Kabelwerk als Kulturzentrum im Süden Wiens


Das Kabelwerk solle zu einem niederschwelligen Kulturzentrum im Süden Wiens entwickelt werden, so Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny in der Pressekonferenz. Die derzeitigen Betreiber, der Bezirk und der derzeit agierende Leiter von dietheater, Christian Pronay sowie die neue Leitung sollen ein Konzept für diesen Ort mit seinem hohen Potential entwickeln, es sei auch geplant, erhebliche Mittel in ein entsprechendes Bau- und Investitionsprojekt einzubringen. Dieses Projekt wird auch von der Meidlinger Bezirksvorsteherin Gabriele Votava begrüßt und unterstützt, die damit ihre Bemühungen um eine Kulturzentrum in diesem Bereich vor einem erfolgreichen Abschluss sieht. Bereits bisher habe es im Kabelwerk eine erfolgreiche und publikumswirksame Zwischennutzung gegeben.